Donnerstag, 12. Juli 2007

...

Mitten in der Nacht gelandet in Istanbul rasten wir mit 170 ueber die Autobahn zwischen den Kontinenten...die Stadt wirkt um diese Zeit friedlich, gut beleuchtet und unbelebt...tagueber allerdings hatten wir schnell genug von dieser Stadt. Unsere Gedanken schweiften bald schon in die Ferne, zu aufgesetzt zeigte sich das Bild Istanbuls: Jaja, wahrhaft tolle Touristenattraktionen, Hotelsiedlungen à la Walt Disney, das volle Programm von ueberhoehten Preisen..War das die 12 Millionen Stadt, die ich mir lebendig vorgestellt hatte? Die sich nicht zwischen Orient und Okzient entscheiden wollte?
HPIM03131
Wir fuhren gerne weiter...Richtung Ankara, mit dem Bus: In der Tuerkei ist Busfahren sehr angesagt, es scheint DIE Fortbewegungsart! Auf den grossen Autogars kann man Tickets in alle Landesteile kaufen oder auch nach Teheran und weiter weg...Busfahren ist dort uebrigens auch eine durchaus angenehme Sache!Try it out!

Die Hauptstadt Ankara schien bei Nacht auch nicht wirklich sympathisch, was vielleicht daran lag, dass uns der Lonely Planet geradeaus in Rotlichtivertel lotste..bei Tag allerdings: Aufatmen! Eine freundliche Stadt! Auf dem Markt wurden wir zwar etwas angeschaut, aber fuer Touri-Preise und Harassment waren wir inzwischen zu weit oestlich, was sehr angenehm ist!..Inzwischen hatten wir auch Kleidung und Verhalten soweit angepasst, dass wir gut als Turkinnen durchgehen konnten!Wunderbar!

Ueber Sivas dann nach Dyarbakir, im Suedosten der Tuerkei! Es ist DIE Stadt der Kurden!Am otogar kamen wir fruehmogrgens an...Dort haetten wir von einer weit entfernt bekannten Familie abgeholt werden sollen. Nach einer Nacht im Bus und zwei Stunden in der Hitze warten waren wir, leicht ermattet, doch froh darum, von Polizisten aufgeriffen zu werden und im Head Office wieder aufgepaeppelt zu werden. Gleichzeitig versuchte der Chef persoenlich, unsere Gastgeber zu erreichen.. Sofort stellten sie mit einem Augenzwinkern klar, dass sie Kurden seien, was Anlass fuer eine Unterhaltung (fast) ohne Worte, dafuer mit viel Lachen gab.
Stunden spaeter dann in einer wohlhabenden tuerkischen Familie: gelebte Langeweile. Eine junge Frau, ein Kleinkind und ein Alter. Keine Kommunikation. Woerter und Gesten prallten regelrecht ab. Die fatale Komibation aus unserer Muedikeit, der unglaublichen Hitze und einer Desorientierung (wo zum teufel sind wir hier gelandet?) wirkten: wir harrten aus. Nach sieben Stunden wussten wir immer noch nicht, wer jetzt die Person auf unserem Zettel war wer jetzt eigentlich hier wohnte.
Ausblick-in-die-Austauschbarkeit
Dafuer hatten wir zwei Erwachsene vor uns, die permanent an diesem Kind rumzerrten und Traegheit, Langsamkeit und Schwere verbreiteten.
Raus hier! Als wir unsere Rucksacke wieder gepackt hatten und in irgendein Hostel umziehen wollten, kam Hatice nach Hause, eine junge Arztin, und brachte Licht ins Dunkel. Englische Erklaerungen fuer tuerkische Familienverhaeltnisse. immerhin :-)! So richtig willkommen schienen wir zwar immer noch nicht, aber wir studierten ausgiebig Familienkonstellationen, die Rolle der Frau im traditionell tuerkischen Haushalt, sozusagen :-)
Aber das war nicht Diyarbakir, die Stadt der Kurden! Die Stadt des wunderschoenen Volkes, das mutig und ausdauernd gegen Tuerken kaempft!!
Aber wir lernten ein klein wenig von ihrem Diyarbarkir kennen, am naechsten Tag. In den verwinkelten Gassen der Stadt, jenseits der Stadtmauer, in die sich kein Tuerke wagen wuerde. Unvergessliche Erlebnisse!
Abend dann wollten kamen wir moeglichst spaet nach Hause zur Familie, da wir keinen weiteren Abend in Lethargie verbringen wollten...und was war dort? Viele Leute wraen gekommen, um uns zu sehen, wir hatten uns in der Abwesenheit zur Attraktion gemausert und es wurde ein Festessen bereitet..

Am naechsten Tag ging es schliesslich ueber die Grenze nach Syrien...was wir gerade hier erleben ist unglaublich anders, wir reiben uns noch die Augen, sozusagen :-)
Aber davon spaeter..

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